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3. März 2013

Das Auer Riet: Bäuerliche Existenz, aber auch Naturschutzjuwel

Die Ortsgemeinde Au ist eine Grossgrundbesitzerin in Lustenau. Ihr gehören 2,1 Quadratkilometer Land, welches von Auer Bauern zu einem grösseren Teil bewirtschaftet und unterhalten wird. Die Ortsgemeinde legt Wert darauf, dass ein Teil des Landes als Naturschutzgebiet erhalten bleibt.

Die Landwirte scheuen keinen Aufwand und investieren gewissenhafte Arbeit für eine optimale Nutzung, damit Menschen, Tiere und Pflanzen einträchtig zusammen existieren können.

Das Auer Riet weist eine beträchtliche Grösse auf. 210 Hektaren sind es im Ganzen (1 ha = 10’000 m2 = ca. 100 Fussballfelder, 210 ha = 2100 Fussballfelder!). Von dieser Fläche werden zwei Drittel landwirtschaftlich genutzt, 1/3 fallen auf Wald, Wasser und Wege. Dieser Drittel wird ausschliesslich von der Ortsgemeinde Au selbständig unterhalten. Die landwirtschaftlichen Flächen werden von sechs Bauern aus Au bewirtschaftet. Unsere Bauern können nur dank dem Auer Riet in Lustenau eine gesicherte Existenz aufweisen. Das Auer Riet ist entscheidend überlebenswichtig für unsere Landwirte. Mit dem Boden in unserer Gemeinde Au, könnten nur noch zwei bis drei Bauern bestehen.

Nutzung
Früher wurde im Riet vor allem Torf gestochen zum Heizen. Heute wird der Boden nur noch landwirtschaftlich genutzt. In der heutigen Form wird das Auer Riet bereits schon in der zweiten Generation bewirtschaftet.
Die Ortsgemeinde Au als Besitzerin verwaltet das Auer Riet selbständig, stellt die Vorschriften für die Pächter auf. Ihr unterliegen damit auch die Kontrollen. Beim Jagdreglement, Gewässer- und Naturschutz müssen sie sich aber an das österreichische Gesetz halten. Das Auer Riet liegt zum Teil im Naturschutzgebiet (natura 2000).

Die Arbeit der Bauern
Die Ortsgemeinde erarbeitete ein umweltfreundliches Konzept und ihre Strategie wird mit Erfolg umgesetzt. Die Landwirte pachten ihre Parzelle in einer Grösse von einer bis fünf Hektaren für sechs Jahre. Die Bodenbewirtschaftung wird in drei Segmente unterteilt. Es weist „rote“, „grüne“ und „braune“ Flächen aus, welche die Landwirte dementsprechend bearbeiten.

Die “roten“ Flächen werden extensiv bewirtschaftet. Das bedeutet, hier lässt man das Gras wachsen, welches der Bauer zwei Mal jährlich mähen darf. Düngen ist nicht erlaubt, damit bleibt die Wiese mager und sie behält ihre Artenvielfalt.

Die „grünen“ Flächen sind in zwei Zeitabschnitte unterteilt. Zwei Jahre nacheinander betreiben die Landwirte Ackerbau auf diesen Flächen. Für die nächsten vier Jahre erfolgt ausschliesslich die Grasbewirtschaftung. Das Heu oder auch die Silage (weisse Ballen) sind ein sicherer Vorrat für den Winter zur Fütterung der Tiere der Bauern.

Die „braunen“ Flächen werden für die intensive Landwirtschaft bepflanzt. Vier Jahre sind für den Ackerbau vorgesehen und zwei Jahre wird die Grasbewirtschaftung betrieben. Der Sechs-Jahresrhythmus hat sich bestens bewährt und der Erfolg gibt diesem Unterfangen recht. Im Auer Riet in Lustenau wird vor allem Futtergetreide angebaut, wie Mais (Silomais), Futterweizen und Triticale. Das ist eine Kreuzung der Getreide Weizen und Roggen. Der Grossteil der Ernte wird für den Eigenbedarf bestellt und nur wenig steht für den Verkauf bereit. In unserem Gemeindegebiet auf Schweizer Seite kultivieren die Bauern auf 105 ha Land Gemüse, Beeren, Kartoffeln, Getreide und Mais-  nach den öln-Richtlinien.

Zollvorschriften
Muss die Ernte aus dem Auer Riet verzollt werden? Das fragen sich sicher viele Auer Bürger. Nein, die Jahrhunderte alte Abmachung gilt bis heute und die Bauern dürfen ihren Ertrag aus dem Riet zollfrei in die Schweiz einführen. Die Landwirte müssen jeweils im Frühling die voraussichtliche Ernte spezifizieren und dem Schweizer Zoll mitteilen. Da muss man einmal nicht viel Bürokratie ausüben.

Wild und Bauern leben im Einklang
In den peripheren Zonen der Parzellen lassen die Bauern extra zum Schutz für das Wild einen Teil der Streueflächen über den Winter stehen. Damit sich dann aber die Jungtiere und die Brut im Frühling optimal entwickeln und gedeihen können, müssen sämtliche Streueflächen bis zum 15. März gemäht sein. Dadurch steht ihnen wieder genügend Freiraum zur Verfügung. Bis zum Herbst werden dann diese Streueflächen nicht mehr bewirtschaftet. Die Natur ist sich derweil wieder selber überlassen.

Brutflächen
Ein weiterer Beitrag für die Tierwelt leisten die Landwirte mit ihrer angepassten Bewirtschaftung. Sie schonen extra die Brutflächen, welche die Vogelschützer vorgängig markiert haben. Damit gewähren sie das Überleben der Jungvögel. Dies wird von verschiedenen Institution in der Schweiz und auch in Österreich anerkannt und gefördert. Im Jahre 2012 hat die Ortsgemeinde Au den Umweltschutzpreis der Gemeinde Lustenau erhalten. Erwähnenswert ist das überdurchschnittliche Vorkommen der Kiebitze. In der ganzen Schweiz zusammen leben nicht so viele Spezien dieser aussergewöhnlichen Vögel.

Diese Förderungen zum Schutz der Tiere ist der Ortsgemeinde sehr wichtig. Sie und die vielen Besucher des Rietes freuen sich, dass die Bauern diese Aufgaben sehr umsichtig wahrnehmen. Nur Dank eines harmonischen Zusammenlebens zwischen den verschiedenen Gefährten konnte sich das Auer Riet zu dem entwickeln, was es heute ist; ein Juwel im Rheintal.

Hier kann man per Klick den Original Text der Auer Zeitung 109 anschauen: Auer Riet – Bduerliche Existenz

Hier kann man per Klick den Original Text der Auer Zeitung 110 anschauen: Auer Zitig Nr. 110 Auer Riet

Bericht: Monika Sieber

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