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20. März 2013

Die Bekassine kann landen

Die Ortsgemeinde Au hat eine zwei Hektaren grosse Brutinsel für die fast ausgestorbene Bekassine realisiert. Ob der Zugvogel hier landet, ist ungewiss.

Die drei Ortsgemeinden Au, Widnau und Schmitter sind bekannt und ernten immer wieder Lorbeeren (Kasten) mit ökologischen/naturschützerischen Projekten. Das neueste hat die Ortsgemeinde Au zusammen mit dem Vorarlberger Naturschutzbund realisiert: eine zweihundert Meter lange und hundert Meter breite, flache Insel auf einer ehemaligen Steuwiese an der Zellgasse. So heisst eine der (autofreien) Rietstrassen im Auer Riet.

Der Landverlust sei für die Ortsgemeinde wie für die Landwirte «verschmerzbar» sagt Ortsgemeindepräsident Arthur Messmer auf einem Rundgang. Die Fläche war seit Jahren, weil sie zunehmend versumpft nur noch als Streueland genutzt worden. Entlang eines bestehenden Entwässerungsgrabens wurde ein sogenannter Feuchtlebensraum geschaffen, wie er von einer Reihe bedrohter Wiesenbrüter wie Kiebitz und Bekassine, Enten, Rallen und Reihern geschätzt wird, aber auch von Amphibien und Libellen.
Damit die Bodenbrüter nicht gestört werden und einigermassen sicher sind vor ihren natürlichen Feinden wurde rund um den Brutplatz ein fünf Meter breiter Wassergraben gebaut. Mitten auf der flachen, künstlichen Insel wird ein Flachgewässer angelegt. Sollte die künstliche Insel in heissen Sommern zu trocken werden, kann das umgebende Wasser mit Schiebern leicht aufgestaut werden.

Vom amselgrossen «Vogel des Jahres 2013» des Vorarlberger Naturschutzbundes gibt es seit einigen Jahren im ganzen unteren Rheintal nur noch einige wenige Brutpaare. Das soll sich jetzt ändern.

Die Bekassine kehrt normalerweise im März aus dem Mittelmeergebiet ins Brutgebiet zurück. Hoffentlich findet sie die neue Brutinsel. Das wünscht sich auch die Vorarlberger Hypo Landesbank. Sie verleiht der Ortsgemeinde Au für deren Engagement nächste Woche ihren «Hypo-Umwelt-Förderpreis».

Die Ortsgemeinde Au ist durch eine Hofteilung im Jahr 1593 entstanden. Damals trennten sich die Höfe Haslach, Widnau und Schmitter vom Reichshof Lustenau. Bei einer weiteren Aufteilung des Landes im Jahr 1775 erhielt Widnau 135 Hektaren, Schmitter 110 Hektaren und Au-Haslach 210 Hektaren Land. Dadurch entstand die Kuriosität, dass die drei Ortsgemeinden Land in Vorarlberg besitzen und bewirtschaften. Verträge und Abkommen regeln, dass und wie die Schweizer Bewirtschafter Gerät, Dünger einerseits und die Erträge anderseits zoll- und abgabenfrei über die Grenze bringen dürfen.

Abgeflacht
Die Ortsgemeinden Widnau, Schmitter und Au sind um mehr Ökologie bemüht und haben in den letzten zwölf Jahren alle grösseren Entwässerungsgräben auf Österreicher Boden tierfreundlich abgeflacht. Zuvor war regelmässig Niederwild in die Gräben gefallen, das sich dann nicht mehr selbst befreien konnte. Für ihr naturschützerisches Engagement erhielten die Rheintaler Ortsgemeinden letztes Jahr von der Marktgemeinde Lustenau einen Umweltpreis überreicht.

Bericht: René Schneider

Bekassine, 27.03.2009 (ND), Mold, A-N, überschw. Wiese bei Tümpel an der B4
Bild: Hansjörg Lauermann
Fast ausgestorben: Bekassine.
sc-auer11
Bild: Reinhard Hellmayr
Die Bekassine sollen ungestört auf der neu geschaffenen Brutinsel brüten. Der breite Wassergraben schützt sie vor Fuchs und Mensch.

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