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24. Mai 2011

Kiebitz, Braunkelchen und Wachtelkönig – Exkursion im Auer Riet

Die gemeinsamen Anstrengungen für das Riet der Ortsgemeinde Au in der Vorarlberger Gemeinde Lustenau zeigen Erfolg. Davon konnten sich 50 Interessierte bei der Exkursion von Naturschutzbund Vorarlberg, Ornithologischer Verein Drossel und Marktgemeinde Lustenau am Freitag 20. Mai 2011 selbst überzeugen. Das Auer Riet ist heute eines der wichtigsten Kiebitz-Brutgebiete Vorarlbergs und hat noch viele weitere Kostbarkeiten zu bieten.
Braunkehlchen, Schwarzkelchen und Rohrammer entdeckte der Vogelkundler Mag. Jürgen Ulmer mit geübtem Blick in den Streuwiesen. Durch sein Fernrohr konnten die TeilnehmerInnen diese Besonderheiten der Vogelwelt genau beobachten und bewundern. Sogar ein Großer Brachvogel ließ sich kurz blicken und flog dann mit flötendem Gesang – vielleicht in eines der nahe gelegenen Brutgebiete – weiter. Immer wieder starteten Kiebitze auffällige Abwehrflüge, um ihre Gelege und Küken in den Äckern zu verteidigen. Während sich eine Kiebitz-Kolonie gegen Feinde aus der Luft relativ gut verteidigen kann, können Bewirtschaftung und dämmerungs- und nachtaktive Beutegreifer zu großen Gelegeverlusten führen. Hier setzt das Projekt „Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg“ an, das der Naturschutzbund Vorarlberg gemeinsam mit den Niederwildrevieren und mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union, Land Vorarlberg, Gemeinden, Ortsgemeinden, Jägerschaft und Naturschutzzentrum des Naturschutzbundes durchführt. Neben einer Schwerpunktbejagung auf Fuchs, Dachs, Steinmarder und Hermelin werden Kiebitzgelege markiert und bei der Bewirtschaftung ausgespart, erklärte der jagdliche Koordinator Reinhard Hellmair den TeilnehmerInnen. Als Jagdaufseher im Auer Riet stellt er auch den Kontakt zu den Landwirten her, die dankenswerterweise sehr kooperativ sind. Im letzten Jahr konnten sich die Projektpartner über einen sensationell guten Kiebitz-Bruterfolg freuen, zu dem neben den Projektmaßnahmen auch eine günstige Witterung und die unter Füchsen und Dachsen grassierende Staupe beitragen haben. Auch die Feldhasenpopulation hat in den letzten Jahren im Gebiet zugenommen. Diese hat von der Schwerpunktbejagung, den milden Wintern und von den umfangreichen Lebensraumaufwertungen profitiert, die die Ortsgemeinde Au im Auer Riet umgesetzt hat. Besonders erwähnenswert ist die Umwandlung von zahlreichen vernässten Äckern in Extensivierungswiesen, wie DI Rudolf Alge von der Gemeinde Lustenau betonte. Nicht zuletzt durch diese fiel die Bilanz bei der kürzlich erfolgten Überprüfung des Lustenauer Biotopinventars so positiv aus. Als es schon leicht dämmerte, ließ der Wachtelkönig seinen typischen knarrenden Ruf ertonen, der ihm seinen lateinischen Namen Crex crex eingebracht hat. Nach diesem Highlight lud die Ortsgemeinde Au zu einem Umtrunk mit Wein von den eigenen Rebbergen ein. Es bleibt zu hoffen, dass die Naturjuwele im Auer Riet nicht der drohenden Straßenvariante geopfert, sondern auch in Zukunft erhalten bleiben.

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